Dynamo Dresden

Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten. Wirklich? Im nationalen Fußball ist das oft anders.
Benutzeravatar
borussenmario
Beiträge: 25754
Registriert: 14.01.2006 08:21

Re: Dynamo Dresden

Beitrag von borussenmario » 18.05.2017 10:08

Wie im gesellschaftlichen Leben werden auch beim Fußball Fehler gemacht. Es werden Grenzen ausgetestet oder sich bloß auf die Nase gehauen. Der Reiz an dem, was man nicht tun darf, ist immer da und wird immer bleiben.

Was also bringen diese ganzen Verbote, Einschränkungen und Bestrafungen? Nichts, sie bewirken das komplette Gegenteil von dem, was der Verband sich erhofft.
Klar steht da auch Wahres drin, aber wer soll denn auf so einer Basis mit denen sprechen und worüber? Darüber, sie ungestraft machen zu lassen, was immer sie wollen, weil alles andere nichts bringt? Das ist ja anscheinend die Botschaft.
Benutzeravatar
HerbertLaumen
Beiträge: 44101
Registriert: 24.05.2004 23:14
Wohnort: Sagittarius A*

Re: Dynamo Dresden

Beitrag von HerbertLaumen » 18.05.2017 10:13

Die Gespräche über kontrolliertes Abbrennen von Pyro waren weit fortgeschritten und ein Kompromiss lag in greifbarer Nähe, als der DFB die Gespräche abrupt beendete, wimre. Das war der Kernfehler und seitdem gibt es anscheinend keine Kommunikation mehr mit der Basis.

Außerdem ist der DFB ein Fußballverband und kein Gesetzgeber, das sollte man der korrupten Bande eindringlich klar machen, das hohe Ross, auf dem die Typen sitzen, steht auf dünnem Eis. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und wenn jetzt schon Spruchbänder gegen "Rasenballsport" (die gegen andere Vereine nicht) mit Geldstrafen geahndet werden, dann läuft ganz gewaltig etwas schief.
Benutzeravatar
Compagno
Beiträge: 473
Registriert: 27.02.2013 14:00

Re: Dynamo Dresden

Beitrag von Compagno » 18.05.2017 10:35

Naja, es wird doch nur der bestehende Status Quo dargestellt und - soweit im Rahmen dieses Textes möglich - Ursachenforschung betrieben. HerbertLaumen hat das doch im "Stimmung bei Heimspielen"-Thread ähnlich erörtert. Das ist also zunächst völlig wertfrei zu verstehen und sollte deshalb nicht als Botschaft sondern als (oberflächliche) Ist-Analyse betrachtet werden.

Betreibe ich eine solche Analyse in anderen Bereichen des Lebens - etwa um der Problematik sogenannter "Problemviertel" oder "No-Go-Areas" Herr zu werden, ist der politische Output dort ein gänzlich anderer als beim Fußball. Dort wird vorgeschlagen, in Bildung zu investiert, Sozialarbeiter einzusetzen, sich also den Problemen der Leute anzunehmen. Nicht etwa, um die rechtliche Bestrafung im konkreten Einzelfall zu ersetzen, sondern um dem Phänomen als Ganzem reflektiert und effizient begegnen zu können.

Beim Fußball geht man komischerweise ganz anders vor. Stell dir mal vor, die Politik würde im o.g. Fall die Praxis des DFB und der Sportgerichtsbarkeit übernehmen und die brillante Lösung präsentieren: Der Besitzer der Plattenbausiedlung bekommt solange eine Geldstrafe, bis er es endlich schafft, das "xxx" unter Kontrolle zu bekommen. Jeder würde sich doch vollkommen zurecht fragen, ob die Entscheidungsmacher noch richtig ticken.

Aber komischerweise wird das beim Fußball einfach so akzeptiert - sowohl von den Vereinen als direkten Betroffenen als auch von einem Großteil der Fans, die mit darunter leiden und Teil von Kollektivstrafen werden. Und ich kann einfach nicht verstehen, warum. Vielleicht ist es einfach ein deutsches Phänomen, dass man bestehende Strukturen - mögen sich noch so falsch sein - einfach akzeptiert und gar nicht in Erwägung zieht, an ihnen zu rütteln, eben weil sie schon lange bestehen und alternativlos scheinen. Man stelle sich nur mal den Aufwand vor, der betrieben werden müsste, um Strukturänderungen zu erwirken. Da scheint es doch deutlich einfacher, einen anderen Weg zu gehen. Einen im Kern deutlich sinnbefreiteren Weg, den uns auch der ein oder andere "Politiker" offenzulegen versucht : "Das "XXX" da unten, die sind Schuld daran, dass es mir schlecht geht. Die müssen wir loswerden." Dabei ist der Blick in die andere Richtung vielleicht der bessere.
Benutzeravatar
HerbertLaumen
Beiträge: 44101
Registriert: 24.05.2004 23:14
Wohnort: Sagittarius A*

Re: Dynamo Dresden

Beitrag von HerbertLaumen » 18.05.2017 10:58

Es könnte ja auch so einfach sein. Gegen kontrolliertes Abbrennen von Pyro spricht nichts, damit wäre man "den Ultras" (als Verallgemeinerung) einen großen Schritt entgegengekommen, die sich dann wiederum auch an die Abmachungen hätten halten müssen. Was aber viel einfacher wäre, weil man ja am Prozess der Regelfindung beteiligt war, das erhöht die Akzeptanz drastisch und sorgt dann auch für die vielfach geforderte Selbstbereinigung.

Und wem bitte tut ein "Scheiß RB"-Spruchband denn weh? Niemand. Etwas anderes sind persönliche Beleidigungen von Hopp und Mateschitz sowie deren Familien, das sollte man auch im eigenen Interesse unterlassen, da es sich um eine Straftat handelt. Damit hat der DFB aber rein gar nichts zu schaffen.

Gewalttaten sind sowieso ein No Go, ich bin in den 80ern und 90ern mit dem Fußball unterwegs gewesen, was ich da gesehen und selber auch erlebt habe, hat mir mehr als gereicht, die traurigen Höhepunkte waren die Heysel-Katastrophe und der feige Angriff auf Daniel Nivel. Aber sowas ist dann auch wieder Sache der Justiz, damit hat der DFB rein gar nichts zu tun, auch Geldstrafen wegen solcher Vorfälle (wie auch bei den Beleidigungen) sind kompletter Humbug.
Benutzeravatar
kurvler15
Beiträge: 14678
Registriert: 27.10.2007 14:13
Wohnort: Printenstadt... Aber zwangsweise! ;)

Re: Dynamo Dresden

Beitrag von kurvler15 » 18.05.2017 18:50

Es ist halt ein Teufelskreis der entweder von einer Partei bei Zeiten durchbrochen wird oder eben in absehbarer Zeit zu einer Katastrophe führen wird.

Das die Dresdener keine Kinder von Traurigkeit sind sollte klar sein. Das die Aktion von denen zumindest grenzwertig war auch. Direkt zu Beginn: Gewalt gehört nach wie vor, genau wie das Abbrennen von Pyrotechnik in die Hände der Justiz und strafrechtlich verfolgt. Auf dem Standpunkt stehe ich nach wie vor. Die Verursacher müssen belangt werden und zwar mit der entsprechenden Härte des Staates, aber die Vereine nur in so weit als das man ihnen eine Mitschuld nachweisen kann. Aber dazu hab ich schon des Öfteren hier Abhandlungen geschrieben.

Ich hab aber von Anfang die Motto-Fahrt als vollkommen überzeichnete Provokation verstanden, die die größtmögliche Aufmerksamkeit erreichen sollte. Hat sie ja auch, nur wurde sie mMn vollkommen missverstanden. Bzw. sie wollte bewusst missverstanden werden, Bad News = Good News, Fussballhools etc..

Ich sehe da eher den verzweifelten Versuch des "Nehmt uns endlich Ernst!".

Ich kann das auch nachvollziehen. Die Entwicklung des Fussballs, und darüber gibt es in dem anderen Thread ja tolle Beiträge, entfernt sich von denjenigen, die das überhaupt möglich gemacht haben. Den Fans. Nicht den Ultras, nicht den Normalos oder Kutten, sondern allen zusammen. Und die Fans sehen ihre Kultur gefährdet.

Ich bin weder Ultra noch sonst irgendwas aber ich fühle ähnlich. Es fühlt sich an als ob man nur noch ein Animateur ist, der für tolle Werbung durch tolle Atmosphäre des Prodktes Bundesliga sorgt. Aber auf der anderen Seite alles über sich ergehen lassen muss: Repression durch Polizei, unfreundliche Anstoßzeiten, horrende Ticketpreise, in der Meinungsfreiheit beschränkt, durch den DFB pauschal kriminalisiert, immer mehr Kommerz, ständige Unsicherheit bzgl. Auswärtskontigente und Stehplatzverbote und und und. Man fühlt sich übergangen und ausgenutzt.

Der letzte große Knall führte zu 12:12 einer außerordentlich gelungenen Aktion. Leider leider haben die Sesselpupser beim DFB damals nicht den Zahn der Zeit erkannt und spätestens nach der Machtdemonstration der Fans zu diesem Zeitpunkt endlich Gespräche auf Augenhöhe geführt und auch Zugeständnisse gemacht bzw. den Fans die Hand gereicht in für ihnen wichtige Themen. Eigentlich ist da überhaupt nichts passiert. Man hat auch danach die Fans nicht Ernst genommen und eben keinen Dialog gestartet der fruchtbare Ergebnisse brachte.

Und ich glaube das stößt bis heute noch vielen auf, inklusive mir. Und deswegen verstehe ich die überzeichnete Provokation. Nur ist eine Fanszene alleine zu schwach. Der Verein wird bestraft, die Fanszene diskreditiert und fertig.

Die Fans haben bereits einmal gezeigt welche Wellen es schlagen kann, wenn man zusammenhält. Wenn Fanszenen Rivalitäten vergessen und gemeinsam für ein Ziel kämpfen.

Deswegen halte ich das was Dresden gemacht hat inhaltlich für richtig, äußerlich war das natürlich absolute Selbstdemontage. Es muss denen klar gewesen sein, dass diese Aktion nicht als Denkanstoß, sondern als das gewertet wird als das was es aussah. Die Drohung nun die Stadien zu Kriegsflächen zu verwandeln. Ein anderer Slogan, bspw. "Krieg der Fanunfreundlichkeit" oder "Kampf dem Kommerz" mit entsprechender Aufmachung wäre schon anders rübergekommen. Da hat man einfach nicht drüber nachgedacht denke ich.

Ich würde mich freuen, wenn man vielleicht in allen 36 Fanszenen wieder organisieren würde und gemeinsam wieder als Stimme der Fans für mehr Fanfreundlichkeit, gegen übertriebene Geldsucht und Kommerz und für mehr Fanrechte agiert. Vielleicht wieder mit einer ähnlichen Aktion wie 2012. Vielleicht mit einer gemeinsamen (friedlichen) Demo aller(!) Fanszenen. Vielleicht mit einem gemeinsamen Motto zu Beginn der neuen Saison. Wie auch immer, aber eben so das es Gewicht hat.
Benutzeravatar
Borusse 61
Beiträge: 22070
Registriert: 19.09.2014 19:49
Wohnort: Reutlingen, zwar Schwabenland aber nur gefühlt

Re: Dynamo Dresden

Beitrag von Borusse 61 » 22.08.2018 20:23

Dynamo entläßt Neuhaus nach 2 Spieltagen und dem aus im DFB - Pokal.... :pillepalle:

http://www.kicker.de/news/fussball/2bun ... assen.html
Benutzeravatar
3Dcad
Beiträge: 23264
Registriert: 27.11.2007 20:51
Wohnort: Würzburg

Re: Dynamo Dresden

Beitrag von 3Dcad » 06.09.2018 23:20

Dynamo Fans spendieren den HSV Fans die Übernachtung. Tolle Sache!
http://www.kicker.de/news/fussball/2bun ... -fans.html
Benutzeravatar
barborussia
Beiträge: 13688
Registriert: 07.07.2005 08:51
Wohnort: Tony Curtis in "Die 2": Eine Rückenmarkslosigkeit Sondershausen

Re: Dynamo Dresden

Beitrag von barborussia » 10.09.2018 10:04

Ja, auch bei denen gibt's nicht nur Bekloppte.
Antworten