Saisonanalyse 2017/2018

Ausgekontert oder aus der Tiefe des Raumes? Über Spielsysteme, Taktik und Mannschaftsteile kann man sich hier die Köpfe heiß diskutieren.

Moderatoren: Bruno, Neptun, borussenmario

Saisonanalyse 2017/2018

Beitragvon Tinduff » 30.05.2018 12:00

Vorweg soll gesagt sein, dass der nachfolgende Analyseversuch meine persönliche Sichtweise widerspiegelt und ich möchte betonen, dass ich mir meine Meinung ausschließlich aus dem abgeleitet habe, was ich in den Spielen gesehen und aus der Presse vernommen habe. Folglich basiert einiges auch auf Spekulationen. Dies vorausgeschickt nun meine Analye:


Mit relativ großen Erwartungen war ich in die Saison gegangen. Zwar hatten wir mit Christensen und Dahoud zwei sehr gute Spieler verloren, jedoch waren mit Ginter, Zakaria und Grifo Spieler hinzugekommen, von denen ich erwartete, dass sie die Lücken füllen können. Hinzu kamen junge Talente wie Cuisance, Oxford oder Doucouré (von dem ich annahm, dass er endlich fit werden würde). Benés hatte bereits zum Ende der Vorsaison sein Potential angedeutet. Bobadilla hatte ich in Augsburg eigentlich ganz gut gesehen, so dass ich ihn Backup für den Sturm auch als sinnvollen Transfer erachtete.

Alles in Allem schien mehr der Kader nun vor allem auch in seiner Breite besser aufgestellt als in der Vorsaison und ich befürchtete gar, dass es eine Reihe von Härtefällen geben wird, weil wir auf jeder Position (vielleicht mit Ausnahme des linken Verteidigers) mindestens doppelt besetzt und dabei nur in zwei Wettbewerben unterwegs waren.

Vor diesem Hintergrund erschien mir die Chance groß, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Wie wir nun wissen, kam alles ganz anders und letztendlich sind die Erwartungen bitter enttäuscht worden.

Zunächst einmal ist natürlich die Verletzungsmisere anzusprechen. Ein solches Seuchenjahr habe ich zuvor noch nie gesehen und vor allem der hohe Anteil an muskulären Verletzungen lässt vermuten, dass dieses Problem zumindest teilweise hausgemacht war. Die Vermutung liegt hier nah, dass hier falsch trainiert worden ist oder sich die Spieler selbst nicht so um einen Fitness- und Gesundheitszustand bemüht haben, wie man es von einem Profi erwarten sollte. Interviewaussagen von Ginter zielten eindeutig in diese Richtung.

Für Traore, Johnson, Benés, Strobel und Doucouré ist zumindest gefühlt die gesamte Saison verletzungsbedingt nichts gegangen. Ein gesunder und vor allem fitter Bobadilla hätte sicher ein Gewinner der Saison werden können, doch leider war er selbst häufig verletzt. In einer Phase der Saison, in der er Raphael häufiger vertreten durfte, war er kurze Zeit dran, zumindest wieder einen gewissen Fitnesszustand zu erlangen. Doch dann fiel er schon wieder aus.

Natürlich wird diese Verletzungsmisere ihren Teil dazu beigetragen haben, dass die Mannschaft nur sehr selten die Leistung gezeigt hat, die ich von ihr erwartet hätte. Aufgrund der Breite des Kaders ist es jedoch eigentlich nie so gewesen, dass man eine nicht mehr konkurrenzfähige Mannschaft aufs Feld schicken konnte. Trotz der vielen Ausfälle hätte man von denen, die gespielt haben, sicher eine bessere und konstantere Leistung erwartet.

Sommer
Während er zum Ende der Saison wieder hervorragende Leistungen zeigte und damit auch ein Garant dafür gewesen ist, dass man zumindest bis zum Schluss noch von Europa träumen durfte, sind seine Leistungen zuvor eher durchwachsen gewesen. Dazu soll aber auch gesagt werden, dass er uns in den vorherigen Spielzeiten meiner Meinung nach mit konstant guten und sehr guten Leistungen sehr verwöhnt hat, weswegen ich ihm auch eine mal nicht ganz so starke Spielzeit zugestehe. Absolut nicht verstehen kann ich die Leute, die Sommer gegenüber so negativ eingestellt sind oder diejenigen, die fordern, Sippel müsse die Nummer 1 sein. Nichts gegen Sippel, er ist eine sehr gute Nummer 2, um die uns sicher einige Vereine beneiden. Aber an einen Sommer in Normalform kommt Sippel nicht heran. Dazu ist er im Vergleich zu Sommer vor allem fußballerisch zu limitiert.

Fazit: Unbedingt als Nummer 1 halten!

Sippel

Er hat in den Spielen, in denen er Sommer vertreten durfte, gezeigt, dass er ein verlässlicher zweiter Mann ist. Auf der Linie ist er, wie Sommer, auch sehr stark aber fußballerisch zieht er im Vergleich zu Sommer den Kürzeren. Das ist aber auch nicht verwunderlich, denn fußballerisch ist Sommer vielleicht der Beste Keeper der Liga.

Fazit: Mit Sippel als Backup kann man auf der Torhüterposition sorgenfrei in die neue Saison gehen.

Vestergaard
Vom Typ her mag ich Vestergaard sehr und trotz seiner Größe ist er für mich auch technisch und fußballerisch sehr stark. Leider ist er jedoch relativ hüftsteif und vor allem langsam. Außerdem fehlte ihm in ein paar entscheidenden Situationen die Übersicht und er hat dann leider ab und zu falsche Entscheidungen getroffen, die zu Gegentoren führten. Auf der anderen Seite hat er aber auch sehr starke Spiele abgeliefert. Insgesamt eine solide Saison. Schneller wird er wohl nicht mehr. Deshalb muss er sich in puncto Übersicht und Stellungsspiel in der nächsten Saison steigern, wenn er langfristig Teil unserer Innenverteidigung bleiben will.

Fazit: Muss sich in der kommenden Saison verbessern, um dauerhaft seinen Stammplatz zu behalten.

Ginter
Christensen gleichwertig zu ersetzen, hat er meiner Meinung nach nicht geschafft. Natürlich hat auch er seinen Anteil an den vielen Gegentoren und sah nicht immer gut aus. Trotzdem überwiegt das Positive und im Großteil der Spiele hat er gute Leistungen gezeigt. Vor allem hat mir auch seine Bereitschaft gefallen, als Neuer in der Mannschaft direkt Verantwortung zu übernehmen und zum Führungsspieler zu werden. Bei ihm schätze ich auch, dass er in Interviews die Probleme beim Namen nennt. Während er im Aufbauspiel noch Verbesserungspotential hat, hat er sich vor allem bei eigenen Standards als sehr gefährlicher Faktor erwiesen.

Fazit: Kann auf seine erste Saison aufbauen und sollte sich zum souveränen Abwehrchef entwickeln. Um „fast“ jeden Preis halten.

Wendt
Nach meinem Empfinden ist kaum ein anderer Spieler so umstritten wie Wendt. Natürlich hat er in der Defensive seine Schwächen und auch ich frage mich manchmal wie er bestimmte Situation verteidigt. Dennoch, dass er wertvoll für die Mannschaft ist, hat man vor allem gesehen, als er verletzt war und ihn keiner gleichwertig ersetzen konnte. Es sollte auch angemerkt werden, dass der Spielstil der Mannschaft Wendt nicht wirklich entgegenkommt. Er ist einer für ein schnelles Umschaltspiel, welches wir de facto so gut wie nicht mehr gehabt haben, weil anscheinend ein kontrolliertes, wenig risikoreiches Aufbauspiel vorgegeben ist. Außerdem hat er die meiste Zeit über mit Hazard auch jemanden vor sich auf der linken Seite gehabt, mit dem Wendt nicht so die Absicherung nach hinten hat, wenn er sich nach vorne einschaltet. Im Zusammenspiel mit Johnson sah das in der Vergangenheit anders aus und die Harmonie war viel besser.

Fazit: Kann mindestens noch für eine Saison als Stammkraft auf der linken Seite eingeplant werden, wobei ein Nachfolger verpflichtet und hinter ihn in Stellung gebracht werden sollte.

Elvedi
Wenn über Hecking diskutiert und gesagt wird, dass er Spieler nicht weiter entwickeln würde, kam von Vereinsseite häufig der Hinweis, dass Elvedi sich unter Hecking sehr gut entwickelt habe. Dies sehe ich nicht so. Elvedi ist zuvor unter Schubert sehr gefördert worden und hat bereits zu dieser Zeit seinen größten Schritt gemacht. Es ist zwar richtig, dass er auch unter Hecking ein stückweit konstanter und stabiler in seinen Leistungen geworden ist, jedoch war dies bei seinem Alter zu erwarten und ich würde das nicht unbedingt dem Trainer auf die Fahne schreiben. Fakt ist jedenfalls, dass Elvedi Jantschke vermutlich dauerhaft den Stammplatz auf der rechten Verteidigerseite streitig gemacht haben dürfte und wir auf dieser Position auch keinen gleichwertigen Ersatz mehr für Elvedi haben.

Fazit: Auf der Position des rechten Verteidigers nicht mehr aus der Stammelf wegzudenken. Unbedingt halten!

Jantschke
Elvedi ist ihm den Rang abgelaufen und insgesamt ist Janschke was Technik und Übersicht betrifft zu limitiert, um nochmal ein Kandidat für die erste Elf zu werden. Als Kämpfer und Charakterkopf schätze ich ihn sehr aber er bringt leider nicht das Niveau, welches benötigt wird, wenn man wieder international spielen möchte.

Fazit: Nach Möglichkeit verkaufen und die Position des Backups für Elvedi neu besetzen.

Oxford
Während er bei seinen Einsätzen im Dezember sehr positiv aufgefallen ist, so dass ich dazu tendierte zu sagen, man sollte sich bemühen, ihn fest zu verpflichten, hat er bei seinen Einsätzen in der Rückrunde enttäuscht und nach seiner Muskelverletzung auch keine neue Chance mehr erhalten.

Fazit: Ein Kauf sollte wohl eher nicht in Erwägung gezogen werden.

Doucouré
Dem Jungen kann nur gewünscht werden, dass er endlich fit wird und gesund bleibt, damit er seine Karriere nicht beenden muss, bevor diese eigentlich begonnen hat.

Fazit: Sein Gesundheitszustand in der nächsten Saison wird entscheidend für seine Karriere sein.

Zakaria
Er hat sich schnell an die Bundesliga gewöhnt und hat eine ordentliche Saison gespielt. Allerdings hat er sich deutliche zu viele gelbe Karten eingehandelt, häufig auch für unnötige Fouls. Das muss er jedenfalls in Zukunft besser in den Griff bekommen. Darüber hinaus muss gesagt werden, dass er sich meiner Meinung nach nicht wirklich gut mit Kramer ergänzt und dass er seine Körpersprache verbessern muss. Er hat viel zu häufig lamentiert und wirkt dadurch insgesamt unzufrieden, was er vermutlich auch gewesen ist. Trotzdem sollte er das Lamentieren lassen, uns damit eine Körpersprache zulegen, die mehr Souveränität ausstrahlt.

Fazit: Man sollte sicher versuchen, ihn zu halten, weil er Potential hat, sich zu einer echten Stütze auf der 6er Position zu entwickeln. In Anbetracht der Tatsache, dass wir auf dieser Position jedoch mit Kramer, Strobel, Cuisance, Benés und bald auch noch Neuhaus ein Überangebot haben, müsste man jedoch gut überlegen ob man einem unmoralischen Angebot nicht nachgeben sollte, vor allem, da Benés, Cuisance und Neuhaus auch ein großes Potenzial unterstellt werden darf.

Kramer
Insgesamt hatte ich von ihm etwas mehr erwartet. Er hat zwar seine starken Auftritte gehabt und vor allem im Rückspiel gegen Hannover, als die Mannschaft aufgrund der langen Torflaute verunsichert war, verkörperte Kramer den absoluten Willen, den Bock endlich umzustoßen, so dass er es bezeichnender Weise war, der mit einem Sonntagsschuss das ersehnte Tor erzielte. Aber genau diesen unbändigen Willen hätte er etwas öfters zeigen müssen. In seiner ersten Saison für uns, nach welcher er prompt Nationalspieler wurde, hat er diesen Willen wirklich Spiel für Spiel an den Tag gelegt. Da muss er wieder hin. Zu seiner Entschuldigung sei aber gesagt, dass er auch mit dem einen oder anderen Wehwehchen zu kämpfen hatte und dann auch häufig wohl auch nicht immer 100%ig fit war.

Fazit: Die Konkurrenz im Mittelfeld ist groß und man muss sicher auch Kramer hinterfragen und kann ihn nicht als gesetzt betrachten. Wenn er jedoch wieder mehr Konstanz in sein Spiel bekommt und seinen unbändigen Willen und Einsatz wieder regelmäßig zeigt, dürfte es für die anderen schwer werden, an ihm vorbeizukommen.

Strobel
Hier muss die Saisonanalyse wohl entfallen. Es soll aber trotzdem nicht unerwähnt bleiben, dass er mich in dem einen Spiel, welches er in der Rückrunde gemacht hat, positiv überraschte.

Fazit: Wird es in der nächsten Saison schwer haben, sich gegen die ganzen jungen Leute mit großem Potenzial durchzusetzen und einen Stammplatz zu ergattern. Trotzdem sollte man ihn als zuverlässigen Backup halten.

Cuisance
Er hat sein großes Potenzial bereits bei seinen ersten Einsätzen im Telekom-Cup aufblitzen lassen und auch während der gesamten Saison immer wieder angedeutet. Natürlich ist er der größte Nutznießer der großen Ausfallrate gewesen. Chance erhalten und Chance genutzt. Allerdings hat er häufig noch zu viele einfache Ballverluste. Das muss er unbedingt verbessern. Zum Glück ist bei seinem Alter nicht unwahrscheinlich, dass er seine Schwächen ausmerzen kann. Hier wäre es auch sehr wichtig, dass er entsprechende Hilfe und Anleitung vom Trainer erhält. Ob dies unter Dieter Hecking der Fall ist, bezweifle ich jedoch ein wenig.

Fazit: Wenn er sich weiterentwickelt und auch weiter seine Einsatzzeiten bekommen kann, werden wir noch viel Freude an ihn haben.

Benés
Ähnlich wie bei Strobel muss auch hier die Analyse entfallen. Wirklich schade, denn er war am Ende der Vorsaison auf einen guten Weg und hätte sich vermutlich mit Zakaria ein heißes Duell um den Stammplatz neben Kramer geleistet.

Fazit: In der nächsten Saison wird es vermutlich sehr schwierig für ihn, einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld zu ergattern. Die Konkurrenz ist einfach sehr groß und dass Cuisance seine Chance genutzt hat und mit Neuhaus ein weiteres großes Talent kommt, wird es für ihn nicht einfacher machen. Aber der Junge muss eigentlich spielen, wenn er sich weiter entwickeln soll. Meiner Meinung nach sollte man nicht mit Cuisance, Benés und Neuhaus in die neue Saison gehen, wenn Zakaria gehalten wird. Dann sollte man einem der drei Spielpraxis durch ein Leihgeschäft geben.

Grifo
Der größte Irrtum der Saison. Ist das noch der Spieler, der in Freiburg so stark gespielt hat? Ich habe keine Erklärung für diesen Leistungsabfall und muss auch sagen, dass er meiner Meinung nach oft genug die Chance erhalten hat, sich zu beweisen, diese jedoch immer relativ kläglich vergeben hat. Irgendwie schien es, dass Spielsystem und die Chemie hier nie gestimmt haben. Schade.

Fazit: Ein Verkauf scheint hier die beste Lösung für alle Seiten.

Traore
Auch für ihn eine verlorene Saison. Zu Beginn erschien er als der Gewinner der Vorbereitung, der den Trainer mit seinen Leistungen überzeugt und damit einen Stammplatz sicher zu haben schien. Doch dann kam das Verletzungspech. Traore wird meiner Meinung nach jedoch von vielen etwas überschätzt. Klar, er ist ein cooler Typ und die Fans mögen ihn, aber was seine Leistung für Borussia betrifft, hat er insgesamt gesehen bisher keine Bäume ausgerissen und Licht und Schatten hielten sich die Waage. Nach vorne häufig unberechenbar in seinen Aktionen und auch in der Lage, sich im eins gegen eins durchzusetzen, leider aber auch häufig mit kritischen Ballverlusten oder Aktionen, die so unberechenbar sind, dass auch die Mitspieler diese nicht vorherahnen können.

Fazit: Ich bleibe auch für die Zukunft skeptisch ob Traore für unsere rechte Seite die Idealbesetzung ist. Auf jeden Fall kann ein fitter Traore auch von der Bank kommend immer ein Dosenöffner sein, wenn in einem Spiel sonst nicht viel geht.

Hermann
Nach seiner langen Leidenszeit hat er wieder aufgeholt und dabei auch immer wieder neuerliche Rückschläge überwinden müssen. Dass er nach so langer Verletzung noch nicht ganz wieder der Alte ist, sollte verständlich sein. Er hat jedoch gezeigt, dass er auf den richtigen Weg ist. Die Spiele, die er gemacht hat, waren meiner Meinung nach ordentlich und wenn man ihm noch mehr Vertrauen schenken würde, bin ich mir sicher, dass er dieses rechtfertigen würde. Leider scheint es, dass er nicht das beste Standing beim Trainer und bei den Fans hat. Seine Einstellung ist jedenfalls immer tadellos und er leistet auch viel Drecksarbeit nach hinten, wovon speziell der rechte Verteidiger profitiert und was der gesamten Mannschaft mehr Stabilität gibt. In seinen Aktionen nach vorne, seiner Ballkontrolle und seinem Selbstvertrauen hat er sich im Laufe der Saison gesteigert.

Fazit: Persönlich sehe ich Hermann vor Traore und Hofmann eigentlich als Stammplatzkandidaten für unsere rechte Seite. Man sollte ihm mehr Vertrauen schenken und ihm so dabei helfen, dass er wieder ganz der Alte wird. Leider scheint mir dies nicht der Fall zu sein und so wäre es nicht verwunderlich, wenn sich Hermann mit einem Vereinswechsel beschäftigt. Meiner Meinung nach wäre es ein Fehler, wenn der Verein Hermann gehen ließe. Andererseits, wenn man sowieso nicht gewillt ist, ihm das Vertrauen zu schenken, was er verdient, kann man ihn auch ziehen lassen. Nur würde uns das weiter schwächen.

Hofmann
Er hat in dieser Saison viele Chancen erhalten und im Vergleich zu dem, was er in der Vorsaison gezeigt hat, waren seine Leistungen in dieser Saison auch besser. Leider waren diese insgesamt immer noch nicht ausreichend, sich nachhaltig zu empfehlen und so bleibt er für mich leider ein Fehleinkauf. Selbst unter Hecking, der scheinbar einen Narren an ihn gefressen hat oder zumindest lange Zeit hatte, ist der Knoten nicht geplatzt. Er zeigt leider kein Durchsetzungsvermögen und ist körperlich sehr schwach. Technisch und spielerisch ist es zwar ok, jedoch kann damit sein fehlendes Durchsetzungsvermögen nicht kompensiert werden. Zudem kommt, dass er in mehr als 50% seiner Spiele eine mangelhafte Körpersprache an den Tag legt und man so den Eindruck hat, dass die Einstellung einfach nicht immer stimmt.

Fazit: Man sollte sich von Hofmann trennen und mit Hermann, Traore und gerne einem jungen Talent für die rechte Seite in die neue Saison gehen.

Johnson
Neben Strobl, Traore und Benés der vierte im Bunde, für den aufgrund ständiger Verletzungen keine Analyse erfolgen kann.

Fazit: Ein fitter Johnson hat bewiesen, dass er uns qualitätsmäßig sehr viel weiter bringen und vor allem im Duo mit Wendt auf der linken Seite hervorragend harmonieren kann. Unverständlicher Weise wurde dieses Gespann bereits unter Schubert sinnloser Weise gesprengt und damit unserem Spiel eine große Stärke genommen. Ich würde mir wünschen, dass Johnsen zur neuen Saison wirklich wieder fit wird und an seine Leistungen aus der Vergangenheit anknüpfen kann. Dann sollte er eigentlich auf der linken Seite keine Konkurrenz fürchten müssen und ich sähe ihn auch vor Hazard. Johnson ist mit Sicherheit einer der komplettesten Spieler im Kader.

Stindl
Für seine Verhältnisse war es auch eher eine durchwachsene Saison. In den vorherigen Spielzeiten ist er meines Erachtens deutlich stärker gewesen. So ist er insgesamt in dieser Saison hinter den Erwartungen geblieben. Einsatzmäßig kann man ihm aber kaum einen Vorwurf machen. Jedenfalls hatte ich immer den Eindruck, dass er sich voll reinhängt. Ungewohnt oft schlichen sich bei ihm aber auch Fehlpässe ein und sehr häufig hat er sich für meinen Geschmack viel zu weit ins Mittelfeld fallen lassen, um sich dort Bälle abzuholen. Auf diese Weise hat er sich selbst aufgerieben und in vorderster Front fehlten dann die Anspielstationen. Besonders auffallend war dies in den Spielen, in denen er auf Raffael als Partner verzichten musste. Leider wurde er des Öfteren auch von seinem Mitspielern (vor allem Hazard) übersehen, als er in aussichtsreicher Position hätte abschließen können.

Fazit: Es bleibt zu hoffen, dass er seine Verletzung gut kuriert und zum Trainingsstart bereit ist. In Normalform ist er natürlich gesetzt und hebt die Qualität der Mannschaft enorm.

Raffael
Zu Beginn der Saison war er sehr gut drauf. Dann war ein Leistungsabfall zu erkennen, den ich in Verbindung mit der Geburt seiner Zwillinge bringe. Das wäre menschlich und Fußball ist nicht das wichtigste auf der Welt. Als er dann wieder auf den aufsteigenden Ast war, wurde er immer wieder von kleineren Verletzungen zurückgeworfen, so dass er dann über die gesamte Saison hin nicht mehr seinen eigentlichen Level erreichen konnte. Zudem bin ich auch der Ansicht, dass das System und die strategische Ausrichtung Raffael nicht unbedingt zu Gute gekommen sind.

Fazit: Persönlich glaube ich nicht, dass Raffaels Leistungsabfall in der vergangenen Saison altersbedingt ist. Wenn er wirklich fit und fokussiert ist, erwarte ich für die kommende Saison wieder einen stärkeren Raffael. Wenn man für den Sturm jedoch einen weiteren Hochkaräter verpflichten möchte und zum jetzigen Zeitpunkt noch gut Kasse mit einem Transfer von Raffael machen könnte, sollte man darüber nachdenken, denn auch, wenn er theoretisch noch 1-2 Spielzeiten auf hohem Niveau würde spielen können, muss der Umbruch irgendwann kommen.

Hazard
Trotz der Tatsache, dass er bester Scorer unseres Teams gewesen ist, hat er in meinen Augen enttäuscht und nicht selten habe ich mich gefragt, warum Hecking unbeirrt an ihn festhält anstatt ihm einmal eine Denkpause zu verpassen. Ich bin der Meinung, dass es ihm sehr am spielerischen Verständnis mangelt und er deshalb zu häufig auch im Spiel einfach die falschen Entscheidungen trifft und so zum Beispiel den Torabschluss selbst sucht, wenn sein Nebenmann besser positioniert ist oder versucht, abzuspielen, wenn er besser selbst schießen sollte.

Nicht selten hat er mit seinen falschen Entscheidungen auch gefährliche Kontersituationen für den Gegner verursacht. Hinzu kommen seine chronische Abschlussschwäche sowie grausame Eckbälle. Dem gegenüber stehen eine im Vergleich zur Vorsaison verbessertes Zweikampfverhalten und seine größte Stärke, die Läufe in die Tiefe. Mit diesen Läufen hat er sich wirklich viele gute Chancen erarbeitet. Wenn er diese jedoch nicht zu nutzen vermag, relativiert sich diese Stärke aber auch schon wieder.

Fazit: Wenn ein gutes Angebot für Hazard kommt, würde ich ihn auf jeden Fall ziehen lassen, da er in meinen Augen absolut überbewertet wird.

Bobadilla
Ist nicht wirklich fit aus Augsburg gekommen und hatte permanent mit Wehwehchen zu kämpfen. Gerade als er bei Raffaels Ausfall einen Stammplatz zu ergattern schien, verletzte er sich wieder. Genau in der Phase hatte man durchaus den Eindruck, dass er langsam auch einen besseren Fitnesszustand erreicht. Ihn als etwas anderen Spielertypen mit guten Leistungen in Augsburg als Ergänzungsstürmer zu holen, war grundsätzlich keine verkehrte Idee. Leider ist der Plan aufgrund Bobadillas Verletzungsanfälligkeit nicht aufgegangen.

Fazit: Wenn man neben Raffael und Stindl noch einen weiteren Stürmer verpflichtet, wovon auszugehen ist, wird es für Bobadilla sehr eng und er wird voraussichtlich kaum Spielzeiten erhalten, zumal nach dem Saisonfinish Drmic ihm gegenüber noch die Nase vorn haben sollte. Vor diesem Hintergrund würde eine Trennung Sinn machen, es sei denn, man trennt sich stattdessen von Drmic.

Drmic
Nachdem viele ihn schon abgeschrieben hatten und ich zugegebener Maßen auch nicht mehr damit rechnete, hat er sich stückchenweise zurückgekämpft und in den letzten Spielen der Saison auch wieder seinen Torriecher wiedergefunden und sich auch spielerisch verbessert gezeigt. Dies hat mich sehr gefreut, denn so hat Drmic zumindest bewiesen, dass er eine Alternative für unseren Sturm sein kann. Ehrlich gesagt, hatte ich zuvor daran gezweifelt und Bobadilla vor Drmic gesehen. Das hat sich nun geändert.

Fazit: Wenn er weiterhin so arbeitet, hat er nun die Hoffnung geschürt, vielleicht doch wieder an seine erste Bundesligasaison im Trikot von Nürnberg anknüpfen zu können. Auf jeden Fall dürfte er sich nach dem Schlussspurt als erste Alternative hinter Raffael und Stindl positioniert haben (Neuzugänge nicht berücksichtigt).

Hecking
Letztendlich ist der Trainer der Hauptverantwortliche, wenn der Erfolg des Teams ausbleibt. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die den Erfolg ausschließlich am Tabellenplatz festmachen. Stattdessen ist mir viel wichtiger zu sehen, dass die Mannschaft eine klare Linie hat, ansehnlichen Fußball spielt, Spieler und Mannschaft sich entwickeln. Aber auch aus dieser Perspektive kann wohl keine Rede sein von einer erfolgreichen Saison. Und dies kann eben nicht nur an der Verletzungsmisere festgemacht werden, zumal man sich natürlich auch fragen müsste, ob nicht letztlich, zumindest was die ganzen muskulären Verletzungen betrifft, der Trainer hier eine Mitverantwortung trägt. Der Kader war vor der Saison sehr breit aufgestellt, nämlich so, dass er ohne große Probleme eine Dreifachbelastung hätte auffangen können.

So haben trotz aller Verletzten immer noch – zumindest auf dem Papier – sehr schlagkräftige Truppen auf dem Platz gestanden und im Großteil der Spiele leider enttäuscht. Es braucht sich keiner weiß zu machen, dass wir eine gute Hinrunde gespielt haben. Das Beste an der Hinrunde ist die Punktausbeute gewesen, wobei es auch hier spielerisch bereits nicht gepasst hat. Die einzigen Spiele, bei denen Tempo drin war und man gesehen hat, wozu die Mannschaft eigentlich in der Lage ist, waren das Spiel gegen die Bayern und das Pokalspiel gegen Leverkusen.

Davon abgesehen schien es Heckings Taktik zu sein, den Gegner durch ein langsames Ballgeschiebe ermüden zu wollen. Damit wollte man sich selbst Glauben machen, man hätte die Kontrolle über das Spiel. Es ist geradezu alarmierend, dass man trotz dieser Ausrichtung und Spielweise dennoch so viele Gegentore kassiert hat. Wenn man tempo- und risikoreich nach vorne spielt, dann verzeihe ich gerne das eine oder andere Gegentor mehr. Aber wenn man schon nur „Beamtenfußball“ spielt und dann trotzdem so leicht so viele Gegentore bekommt, dann ist das ein klares Anzeichen, dass irgendwas nicht stimmt.

In der Rückrunde ist die Spielanlage eigentlich ähnlich gewesen, nur war diesmal die Punktausbeute auch eher der fußballerischen Leistung entsprechend. Im Nachhinein muss man von Glück sprechen, dass in der Hinrunde so viele Punkte gesammelt werden konnten.

Leider könnte ich auch nicht behaupten, dass sich Spieler unter Hecking positiv entwickelt hätten. Zu den von Vereinsseite in diesem Zusammenhang gerne genannten Elvedi und Cuisance habe ich oben bereits etwas geschrieben.

Fazit: Es erscheint mir nicht sinnvoll mit Hecking in die neue Saison zu gehen. Ehrlich gesagt, hat es mich bereits gewundert, dass man die Saison mit ihn beendet hat. Aber anscheinend ist die Geduld des Managements hier grenzenlos. Natürlich kann ich nur beurteilen, was ich jede Woche beim Bundesligaspiel auf dem Platz sehe. Aber letztendlich ist dies ja auch das Entscheidende. Da dei Entscheidung offenbar gefallen ist, die neue Saison mit Hecking bestreiten zu wollen, kann ich nur hoffen, dass er mich eines Besseren belehren wird.


Eberl
Eberl habe ich in dieser Saison so wenig souverän und vor allem so dünnheutig, wie nie zuvor wahrgenommen. Ich hatte auch den Eindruck, dass seine verbalen Entgleisungen, der Kanalisierung seiner eigenen Unzufriedenheit dienten. Insbesondere zu seiner Beschimpfung der eigenen Fans soll hier noch ein Wort gesagt sein. Ich weiß nicht mehr genau, in welchem Spiel es gewesen ist, jedenfalls zeigten die Fans durch Pfiffe deutlich ihren Unmut und dies meiner Meinung nach völlig zu recht. Eberl rechtfertigte seine Entgleisung damit, dass er nicht nachvollziehen könne, dass die Fans einen so jungen Spieler wie Cuisance aufgrund eines Rückpasses auspfeifen würden. Ich hatte keineswegs den Eindruck, dass die Pfiffe der Fans eben diesem einen Rückpass von Cuisance geschuldet waren. Die Pfiffe bezogen sich auf eine schlechte Leistung des gesamten Teams und waren völlig gerechtfertigt.

Ich verlange ja nicht, dass der Manager das Team bei einer schlechten Leistung zerfleischt, aber in dieser Saison hat es Eberl in vielen Situationen versäumt, auch einmal Klartext zu sprechen. Stattdessen hatte man, vor allem in der Hinrunde, den Eindruck, dass man sich die Sache allzu oft schön redet und die Schuld eher bei anderen suchte.

Auch bei kritischen Reporterfragen zeigte sich Eberl häufig aggressiv und dünnhäutig. Bei derartigen Fragen habe ich ihn in der Vergangenheit viel relaxter erlebt und er hatte diese häufig mit einem Lächeln auf den Lippen souverän gekontert. Das war in dieser Saison leider nicht der Fall.

Fazit: Ich befürchte, dass Eberls Geduld und vor allem sein scheinbar ungebrochenes Vertrauen in Hecking nicht positiv für die Entwicklung der Mannschaft sein wird. Als Zuschauer, der nicht so nah an der Mannschaft ist, kann ich natürlich nur das beurteilen, was ich bei den Spielen auf dem Platz sehe. Jedenfalls nach der Beurteilung davon fällt es mir schwer zu verstehen, woher Eberl noch das große Vertrauen in Hecking nimmt. Unabhängig davon wünsche ich mir natürlich, dass er wieder ein gutes Händchen bei der Verstärkung des Teams beweist und in der kommenden Saison wieder zu etwas mehr Lockerheit finden kann.

Videobeweis
Ich glaube, dass kaum ein anderes Team von dem Videobeweis mehr benachteiligt worden ist, als wir. Vor allem ist es sehr erschreckend zu sehen, wie oft trotz Videobeweis immer noch falsche oder zumindest sehr zweifelhafte Entscheidungen getroffen werden. Hier werden ein und dieselbe Situation von verschiedenen Schiedsrichtern unterschiedlich bewertet und Regeln nicht einheitlich ausgelegt. Insbesondere die "Handspielregel" gehört schleunigst in einer Art und Weise geändert, die den Schiedsrichtern nicht mehr so viel Interpretationsspielraum lässt.

Fazit:
Fehlentscheidungen konnten auch durch Videobeweis nicht ausgeschlossen werden und der Videobeweis nervt nur. Wenn ein Schiedsrichter ohne Videobeweis die falsche Entscheidung trifft, kann dies zwar sehr ärgerlich sein, aber wenn trotz Videobeweis immer noch eine falsche Entscheidung getroffen wird, ist dies mehr als ärgerlich. Außerdem schadet der Videobeweis den Emotionen, weil man sich nie sicher sein kann, ob eine Schiedsrichterentscheidung nicht wieder annulliert wird. Bitte wieder weg mit dem Videobeweis!
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Re: Saisonanalye 2017/2018

Beitragvon Ruhrgas » 30.05.2018 12:41

Schade, dass Du Dir die ganze Mühe für eine Analyse gemacht hast, die allein vom gewünschten Ergebnis her geschrieben wurde.

Wäre es nicht sinnvoller gewesen die Energie so einzusetzen, dass Du ernsthaft versuchst, die Gründe für die - und da sind sich alle Beobachter einig - unansehnlichen Spiele zu finden, als es auf H e c k i n g ist schuld zu beschränken.

Beispiele:

Du arbeitest heraus, dass Wendt es nicht wirklich gut aber immernoch besser macht als die vorhandenen Back-Ups. Fazit; Wendt hat uns eine Zeitlang gefehlt, was schädlich war.

Dann arbeitest Du heraus, dass Hazard überschätzt wird und mit Wendt nicht gut harmoniert, da Wendts Offensivstärken weniger zum Tragen kommen als im Zusammenspiel mit dem - genau - verletzten Johnson.

Du arbeitest heraus, dass Schwächen von Vestergaard fehlende Schnelligkeit, Beweglichkeit und Stellungsspiel sind (und im Übrigen schon immer waren). Echte Alternativen auf der Position gibt es nicht; außer man zieht Elvedi nach innen und den von Dir als schwächer erkannten Jantschke auf die rechte Seite.

Ohne Zweifel hat der Trainer seinen Anteil am Verlauf der Saison. Aber ein Trainer, der immer nur mit dem Arbeiten muss was (auf Grund nicht vorhersehbarer Verletzungen) übrig bleibt, kann natürlich die taktische Ausrichtung nur ganz schwer an einem engeren Kader ausrichten.

Das führt dann wohl auch dazu, dass weniger an den Fähigkeiten der einzelner Schlüsselspieler ausgerichtet gespielt und trainiert wird sondern mehr improvisiert wird. Das quittiert man dann mit:

Ich erkennne kein Konzept.

Danke trotzdem für die konzipierte Analyse.
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Re: Saisonanalye 2017/2018

Beitragvon Tinduff » 30.05.2018 13:55

@Ruhrgas:

1. Du behauptest, ich hätte meine Analyse vom gewünschten Ergebnis geschrieben.

2. Du behauptest, Ich hätte nicht ernsthaft versucht, die Gründe für die unansehnlichen Spiele zu finden, sondern es darauf beschränkt "Hecking sei schuld".

3. Du behauptest indirekt, indem ich selbst herausgearbeitet hätte, das die Alternativen zu Wendt, Hazard und Vestergaard fehlten, hätte ich zum Teil selbst wiederlegt, dass es nur an Hecking liegen würde.

zu 1.) Ich denke, es ist nicht unüblich bei einer rückwirgenden Analyse Soll und Ist zu vergleichen und damit Zielsetzung bzw. Erwartung vorher mit der tatsächlichen Situation nachher zu vergleichen.

zu 2.) Ich hatte ja schon zu Beginn meines Posts geschrieben, dass ich nur aus meiner Perspektive schreiben und das zugrunde legen kann, was ich sehe. Daher stellt sich generell die Frage, ob aus dieser Perspektive, ohne Wissen über Internas, wesentliche Gründe erst gar nicht ausgemacht werden können. Zum Beispiel weiß ich nicht, wie das Training aussieht, wo dort Schwerpunkte gesetzt werden, wer mit wem besonders gut oder weniger gut kann, wie es tatsächlich zu sovielen Verletzten kommen konnte. Gerade zum letzteren Punkt, hat sich der Verein ja auch nicht wirklich geäußert, sondern es hieß auch immer nur, "wir werden das sehr genau analysieren müssen".

Daher kann ich aus meiner Perspektive ja nur spekulieren und versuchen, bestimmte Rückschlüsse zu ziehen. Diese führen mich nunmal zu der Ansicht, dass Hecking eine Hauptverantwortung trifft. Er ist derjenige, der entscheiden sollte wie das Training und die Belastungssteuerung auszusehen hat, er entscheidet über die taktische Ausrichtung und es ist seine Verantwortung, gegenzusteuern, wenn etwas nicht richtig läuft. Dies setzt natürlich voraus, dass er auch erkennt, dass etwas nicht richtig läuft.

Daher komme ich zu dem Schluss, dass der Trainer eine Mitverantwortung an der Verletzungsmisere trägt, weil entweder die Belastung nicht richtig gesteuert worden ist, die Spieler nicht ausreichend durchtrainiert waren oder sich nicht alle profihaft verhalten haben (dann wäre natürlich auch der jeweilige Spieler mitverantwortlich, der sich nicht profihaft verhalten hat). Wie gesagt, ich kann nur spekulieren. Es wird aber seine Gründe dafür geben und es wäre die Aufgabe eines Trainers gewesen, diese frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Es sollte auch kein Zweifel daran bestehen, dass die taktische Ausrichtung vom Trainer vorgegeben wird. Meiner Meinung nach war genau diese taktische Ausrichtung auch ein wesentlicher Grund für die unansehnlichen Spiele.

zu 3.) Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass es noch genügend Alternativen gegeben hat und das man mit den zur Verfügung stehenden Spielern, hätte weit ansehnlicheren Fußball hätte spielen können. Diese zu erörtern und zu konkretisieren würde eine eigenen Thread bedürfen. Warum bei dem einen oder anderen die Einstellung manchmal nicht zu stimmen schien, warum vermehrt technische Defizite sichtbar geworden sind (auch bei Spielern, bei denen man diese so in der Vergangenheit recht selten sah) und warum das Leistungspotenzial zu selten abgerufen worden ist, vermag ich nicht abschließend zu beurteilen. Aber dies sind Punkte, die aufgefallen sind und bei denen letztendlich auch der Trainer eine Mitverantwortung trägt.
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Re: Saisonanalyse 2017/2018

Beitragvon Ruhrgebietler » 02.06.2018 05:04

@Tinduff :daumenhoch:
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Re: Saisonanalyse 2017/2018

Beitragvon HB-Männchen » 02.06.2018 10:10

Tinduff, zunächst einmal, danke und Respekt für diese in meinen Augen ausgezeichnete und extremst ausführliche analytische Glanzleistung. Dein Fazit in den jeweiligen Bereichen unterstreiche ich so, möchte aber hier und dort etwas anfügen.

Was Hecking betrifft erkenne ich "scheinbar vorhandene Ziele". Heißt, Ruhe bewahren, ruhiger, ballbesitzorientierter Spielaufbau, also wenige Ballverluste, geordnete Offensive. DAS ist die Theorie! In der Praxis ist es ein harmloser, ideenloser und blutleerer Versuch, den Gegner nicht an den Ball kommen zu lassen resultierend in einer fehlenden Wachheit unserer Protagonisten und einer in der Folge dann einfach viel zu hohen Anzahl an Gegentoren. Das ist umso schlimmer, als dass unsere Offensivkräfte einfach nicht in der Lage waren, das Runde "unkompliziert und gradlinig" in das Eckige zu befördern. Ich glaube nicht dass irgend eine Mannschaft mehr 100%ige versemmelt hat als unsere.

Wir alle haben das ja nun 34 Spieltage beobachten dürfen/müssen, lange lange Zeit war das Spiel auf dem Platz nicht mehr so unattraktiv wie in der vergangenen Saison. Und wenn ich mir diese oben beschriebene Theorie ansehe, erinnert mich das an die allerersten Zeiten von Favre, als es darum ging, diese Flut an Gegentoren einzugrenzen und eine neue Struktur in das Spiel zu bringen. Und genau mit diesen Ansagen ist es dem Herrn Favre seinerzeit ja gelungen, eine neue Ära bei Borussia einzuläuten. Was also ist es, dass es unter Hecking SO EBEN NICHT funktioniert?

Vom gesamten Kader her ist selbiger heute weit aus besser als damals. Dennoch funktioniert was nicht. Selbst wenn 3-4 Stammspieler ausfallen, haben wir heute auf der Bank sehr viel mehr Qualität als anfangs noch unter Favre. Du schreibst,

Tinduff hat geschrieben:Letztendlich ist der Trainer der Hauptverantwortliche, wenn der Erfolg des Teams ausbleibt.


Ja, so ist das grundsätzlich korrekt. Und ja, so greifen dann die Mechanismen des Marktes. Normalerweise. Nur, warum JETZT nicht bei Borussia? Was ist da los? Wir alle sehen diese Art Fußball zu spielen, wir alle finden es entsetzlich, wir alle sagen, DAS ist nicht die DNA der Fohlen. Wir alle = wir Fans.

Aber warum sehen das Eberl, Schippers, Bonhof, Meyer und co nicht? Und warum sieht HECKING es nicht? Können wir es uns so einfach machen und tatsächlich glauben, die kapieren das alle nicht?

Ich versuche also mal eine etwas andere Sichtweise. Und ich sage vorab, nein, ich bin kein Hecking-Fan. Ich werde es wohl auch nie werden. Muss ich auch nicht. Aber ich möchte Erfolg bei und für Borussia.

Noch einmal. Der Kader insgesamt ist meiner Meinung nach sehr wohl sehr gut und sollte, wenn alles normal verläuft, um die Plätze 4-9 immer mitspielen können. Und die Art und Weise, wie dieser Kader Fußball spielt, sollte von der Spielintelligenz her und den technischen und körperlichen Voraussetzungen aller im Kader befindlichen Spieler geneigt sein, den Fans eine defensive Stabilität und offensive Agressivität mündend in einem schönen, technisch anspruchsvollen Kick anbieten zu können.

Also bleibt für meine Begriffe zwischen der Theorie des Trainers und den eigentlich vorhandenen Qualitäten im Kader irgend wo irgend etwas auf der Strecke. Und hier bin ich dann bei den Spielern, die meiner Meinung nach zu leicht und zu einfach aus ihrer Verantwortung gelassen werden. Auch die Spieler müssen sehen (und ja, sie sehen) was sie da auf dem Platz anbieten. Und dennoch kriegen sie es nicht hin.

Ist es denn vielleicht einfach nur Schiss, einen Fehler zu machen? Ist es so, dass der Trainer "droht", im Falle eines leichtfertigen Ballverlustes zu reagieren? Kommt es so zu diesem einfallslosen und sicherheitsgesteuerten Ballgeschiebe? Trauen die Kerle sich nicht, mal etwas überraschendes zu versuchen? Sind sie alle schon so eingependelt, dass nur die jungen Wilden Cuisance und Zakaria sich etwas trauen, weil sie noch feucht hinter den Ohren sind? Sind vielleicht tatsächlich diese taktischen Zwänge "unter der Knute von Dieter Hecking" derart eng und damit lähmend, dass da eben nur in Ausnahmefällen mal ein schönes Spiel bei raus kommt?

Bevor hier jetzt der Aufschrei kommt, ich habe da etwas kursiv und in Gänsefüßchen gesetzt!!!

Meine Überlegung geht also in die Richtung, dass Trainer substantiell ein guter Trainer ist und der Kader qualitativ sehr gut ist und dass da irgendwo dazwischen ein Problem als Hindernis steht. Dieses Problem könnte ein ganz einfaches Kommunikationsproblem sein. Und ich könnte mir vorstellen, dass beim Steine umdrehen in der Sasisonanalyse dieses Problem evtl. als ursächlich erkannt wurde. Und es könnte sein, dass die sportliche Leitung angesichts der eigentlich vorhandenen Qualität hüben wie drüben zu dem Ergebnis gekommen ist, an dem eigentlichen Gerüst nicht viel bzw. nichts Wesentliches zu verändern sondern punktuell nachzubessern (Backup für Wendt und Sturm).

Also, lange Rede, kurzer Sinn: Man scheint vielleicht in der Zusammenarbeit zwischen Trainerteam und Mannschaft einiges verbessern und ändern zu wollen. So banal, so einfach, aber auch so anspruchsvoll. Anders kann ich mir nicht vorstellen, wie die Verantwortlichen eine weitere Zusammenarbeit vermitteln wollen. Und im gesamten Blick geht es eben nicht um die blanke Platzierung sondern um das WIE!
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