von HansWurst am 06.03.2008 10:09
Zunächst einmal kann ich „Fever Pitch“ von Nick Nornby empfehlen. Es erzählt die Geschichte eines Arsenal-Fans.
"Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden..." Mit diesen markanten Worten leitet Hornby die Hommage an "sein Team", den FC Arsenal, ein. Eine Art Tagebuch übers Erwachsenwerden, der Suche nach sich selbst, Familie und Freunde, aber hauptsächlich natürlich über der Briten liebstes Kind, den Fußball. Merkwürdiges wird verständlich, denn wer das gelesen hat wird Fußballfans verstehen lernen und Fußballfans werden sich selbst besser verstehen, wenn sie merken werden, dass ihre Gedanken auch von anderen gedacht werden. Die Erkenntnis zu erlangen nicht der einzige zu sein, der sich gedanklich permanent mit dem Fußballsport befasst beruhigt und fasziniert zugleich. Man kennt die von ihm beschriebenen Situationen ganz genau, aber der menschliche Verstand sagt einem was anderes. Dieses Buch ist ideal für Menschen, die leidenschaftlich mit und für ihren Verein leben, aber wie gesagt auch für die, die das noch nie nachvollziehen konnten. Mir als großen Freund des Fußballsports wurde es im Laufe der Jahre allein fünfmal geschenkt. Anscheinend wusste man das das genau nach meinem Gusto sein wird und so ist es auch. Nicht unbedingt geeignet für den durchschnittlichen Fan, aber alle die den Fußball in all seinen Facetten lieben, die werden auch dieses Buch lieben und sich darin wiederfinden können...
Unterhaltsame, wenn auch etwas einfachere Literatur ist Effes „ Ich hab’s allen gezeigt“.
Effe’s Sicht der Dinge ist natürlich, wie auch auf dem Fußballplatz, auf einen Nenner zu bringen. Unbescheiden dürfte hier zutreffend sein. "Er redet nicht geschwollen, sondern sagt geradeaus, was er denkt." Dieses Urteil Effenbergs über den Boxer Graciano Rocchigiani gilt auch für den ehemaligen Mittelfeld-Star des FC Bayern selbst. Ungekünstelt und offen erzählt Effe von seiner Karriere -- vom Ehrgeiz schon als Junge Fußballprofi zu werden, von seinen Stationen Mönchengladbach, Florenz, München und Wolfsburg. Entstanden ist das Buch auf der Basis langer Interviews mit dem RTL-Journalisten Jan Mendelin. Und so liest es sich auch: Die Lektüre ist kurzweilig, und gerne überlässt man sich für die zwei, drei Stunden, die man das Buch bis zum Ende in der Hand hat, der Innenansicht eines Fußballstars. Nur den einen oder anderen spätpubertären Machospruch hätte er sich sparen können -- da werden beispielsweise Frauen "geplättet" oder "zugeritten".
“Ich hatte viel zu kräftig getankt und musste erstmal auf die Toilette und ordentlich über den Kloschüssel abhängen, um zu kotzen.“
Momentane Lesempfehlung ist Charlotte Roches „Feuchtgebiete“.
Nach einer missglückten Intimrasur liegt die 18-jährige Helen auf der Inneren Abteilung von Maria Hilf. Sie wartet auf den Besuch ihrer geschiedenen Eltern, in der irren Hoffnung, die beiden könnten sich am Krankenbett der Tochter endlich versöhnen. Unterdessen nimmt sie jene Bereiche ihres Körpers unter die Lupe, die gewöhnlich als unmädchenhaft gelten, und lässt Krankenpfleger Robin die Stellen fotografieren, die sich ihrem neugierigen Blick entziehen. Nebenher pflegt sie ihre Sammlung von Avocadokernen, die ihr auch in sexueller Hinsicht wertvolle Dienste leisten. Selbst wenn Helens Besessenheit eine Notoperation nötig werden lässt - ihr ungestümer Witz und ihre Wahrhaftigkeit machen sie zu einer Sensation nicht nur auf der Station des Krankenhauses. Sie spricht aus, was andere nicht einmal zu denken wagen. »Feuchtgebiete« ist eine Exkursion zu den letzten Tabus der Gegenwart.
Leichte pornographische Tendenzen, insgesamt aber humorvoll, selbstironisch und durchaus lesenswert.
@krautie: "Halbnackte Bauarbeiter" ist wirklich klasse, allerdings schwächelt die Story ab der Mitte des Buches etwas, insgesamt aber auch für Männer geeignet, da selbstironisch und halt nicht typische Frauenliteratur.